Brenner-Nordzulauf

So ganz d’accord geht Christian Praxl, Bürgermeister in Rohrdorf, nicht mit seinen Kollegen im Inntal. Er glaubt nicht an die Notwendigkeit einer neuen Trasse als Zulaufstrecke für den Brennerbasistunnel. Und infolgedessen lehnt er auch die Erkundungsbohrungen ab. Mit dieser Meinung steht er übrigens nicht allein da.

Christian Praxl, Bürgermeister in Rohrdorf. © OVB

Rohrdorf – „Mit dem Neubau einer zweigleisigen Bahnstrecke im Inntal, egal ob auf der Ost- oder der Westseite, wird es zu nachhaltigen Veränderungen für die gesamte Region kommen“, befürchtet er. Alleine die Bauzeit werde dafür sorgen, dass der Tourismus über viele Jahre hinweg vollständig zum Erliegen kommt, so seine Befürchtung. Den immensen Flächenverbrauch sowie die nachteiligen Auswirkungen auf Natur und Umwelt und Verschandelung des Landschaftsbildes mag er sich gar nicht vorstellen.

„Tunnel ist reine Träumerei“

Für „reine Träumerei“ hält er die Hoffnung, dass die Neubaustrecke auf der gesamten Länge im Tunnel verläuft. „Da empfehle ich einen Blick in die Ergebnisse des Planfeststellungsverfahrens zum Ausbau der Autobahn A 8.“ Da hatte er als Rohrdorfer Bürgermeister zunächst noch Hoffnung auf ausgiebigen Lärmschutz. Geblieben seien von den Anträgen und Wünschen 800 Meter Lärmschutzwände, erklärt er der Heimatzeitung auf Anfrage. Und beim Thema Trassenausbau befürchtet er ähnliche Erfahrungen. Sollten die Lärmrichtwerte eingehalten werden, werde die Bahn nicht einen Meter „freiwillig untertunneln“, so seine Prognose.

Er hält an seiner These fest, dass „der Bedarf für eine Neubautrasse nicht nachgewiesen ist“. Er macht dazu folgende Rechnung auf: Die Strecke von Rosenheim nach Kufstein werde derzeit mit 160 Zügen/Tag befahren. Zum Vergleich: Auf der Strecke Rosenheim – Salzburg fahren zur Zeit 240 Züge am Tag. „Wenn man annimmt, dass ein Güterzug mit 600 Meter Länge 40 Lkws aufnehmen kann, könnten schon jetzt täglich 3200 Lkws auf die Schiene verlagert werden.“ Hochgerechnet aufs Jahr wären dies rund 960000 Lkws weniger im Inntal. Praxl: „Das bedeutet eine Halbierung des Lkw-Verkehrs am Brenner, ohne einen Meter neues Gleis und ohne Zerstörung unsere Heimat.“

Bürgermeister gegeneinander ausgespielt?

Verärgert ist Praxl auch, weil er das Gefühl nicht los werde, dass die Bürgermeister aus dem gemeinsamen gegen die Bürgermeister aus dem erweiterten Planungsraum gegeneinander ausgespielt werden. „Es wird von der Bahn nicht mit offenen Karten gespielt“, sagt er.ske

Quelle: Oberbayerisches Volksblatt, OVB online