Sehr gut besucht war der SPD-Infoabend zu den Bahnplanungen in Prutting. re © OVB

INFOABEND DER SPD-PRUTTING ZU DEN PLANUNGEN DER BAHN

Die derzeit diskutierten möglichen neuen Bahnstrecken nördlich an Rosenheim vorbei könnten auch das Gemeindegebiet von Prutting an der südwestlichen Gemeindegrenze zu Stephanskirchen berühren, insbesonders die Ortsteile Köbl, Spieln und Ried. Die Pruttinger SPD hatte zu einem Infoabend geladen.

Prutting – Ein voller Saal bestätigte das große Interesse der Bürger. SPD-Ortsvereinsvorsitzender Quirin Meisinger konnte auch zahlreiche Gäste aus der Lokalpolitik begrüßen wie Pruttings Bürgermeister Hans Loy, Bürgermeister Rudolf Leitmannstetter aus Vogtareuth, den Landtagsabgeordneten Klaus Stöttner und die Kreisräte Sepp Hofer und Barbara Stein. Referent des Abends war Thomas Riedrich, Vorsitzender der Bürgerinitiative Brennerdialog Rosenheimer Land e.V.

Er ging zunächst auf die Vorgeschichte der aktuellen Planungen ein. Bereits 1994 sei die EU-Entscheidung zum Bau des Brennerbasistunnels gefallen, mittlerweile ist der Tunnelbau bereits weit vorangeschritten. Doch fehle noch der Ausbau der geplanten Zulaufstrecken für eine künftige Schnellverbindung von Skandinavien bis nach Sizilien.

Die Streckenführung für weitere Gleise sei derzeit Gegenstand umfangreicher Untersuchungen der Bahn. Für Prutting und seine Nachbargemeinden besonders gravierend sei unter mehreren Varianten der Korridor nördlich von Rosenheim über den Inn und ab der Innostseite im Tunnel bis nahe zum südlichen Simsseebereich und von dort wieder offen nach Süden ins Inntal oder nach Osten Richtung Salzburg. Ob für später auch eine Streckenerweiterung Richtung Mühldorf/Landshut zur Diskussion stehe, sei nicht bekannt, ebenso wenig, ob ein Frachtumschlageplatz vorgesehen sei.

Was der Bau eines Bahntunnels in offener Bauweise für die Landschaft bedeutet, demonstrierte Riedrich anhand beeindruckender Bilder von einer aktuellen Tunnelbaustrecke auf der Schwäbischen Alb. Enorme Erdbewegungen mit gigantischen Aushubbergen, ein breites Baufeld mit den notwendigen Baustellenzufahrten, Verkehrsumleitungen und Fuhrparkflächen und Containerquartieren für die Arbeiter sorgen dort auf Jahre für eine Mondlandschaft. Ob dies auch in der Region Rosenheim notwendig sei, stellte Riedrich in Zweifel. Der Bedarf für eine Tagesfrequenz von 400 Zügen, wie nun geplant, sei bisher nicht überzeugend nachgewiesen. Die vorgelegten Verkehrsprognosen seien teilweise nachweislich falsch und in weiten Teilen so gerechnet, dass sie dem Wunschergebnis entsprechen, nicht aber der Realität.

Er wies dazu auch auf bevorstehende, derzeit noch kaum vorstellbare Änderungen im Lkw-Verkehr hin. Elektroantrieb, Oberleitungen für Lkws, elektronische Verkehrssteuerung und Car-Sharing eröffneten völlig neue Möglichkeiten und lassen eine zuverlässige Prognose, wie der Lastverkehr in 20 Jahren ablaufen wird, kaum zu.

Auch die angestrebten Fahrgeschwindigkeiten von bis zu 230 km/h seien zweifelhaft. Aus den Erfahrungen beim schon in Betrieb befindlichen Gotthard-Tunnel in der Schweiz sei bekannt, dass Güterzüge in der angestrebten Länge von bis zu 750 Meter die Wunschgeschwindigkeiten tatsächlich nicht erreichen. Auch die Entwicklung der Zahl der Bahnreisenden hänge wesentlich von der zukünftigen Verkehrstechnik ab.

Obwohl sich die Planungen im Rosenheimer Raum noch in einem frühen Stadium befinden, empfahl Ried rich allen eventuell Betroffenen, sofort zu handeln, um noch Einfluss nehmen zu können. An einem Beispiel aus dem Rheintal zeigte er auf, dass Bürgerinitiativen keineswegs nur Verhinderer sein müssten, sondern durchaus in offenen Gesprächen mit der Bahn ein deutlich verbessertes Ergebnis für alle Seiten erzielen könnten.

Bürgermeister Hans Loy äußerte seitens der Gemeinde Prutting erhebliche Bedenken, vor allem wegen des zu erwartenden Eingriffs bei einem Tunnelbau ins Grundwassergefüge. Er sah sowohl die im Aufbau befindliche neue Wassergewinnung der Gemeinde im Bereich Sonnen, als auch die Wasserversorgung des Pruttinger Westens in Gefahr.

Stephanskirchens Zweiter Bürgermeister Karl Mair stellte in Vertretung von Bürgermeister Rainer Auer die Stephanskirchner Auffassung dar. Die Gemeinde sehe die Gefahr einer weiteren Zerschneidung ihres Gebietes und für ihre neue Wasserversorgung. Deshalb wende sie sich mit aller Kraft und mit anwaltlicher Hilfe gegen die Bahnplanung auf ihrem Gebiet.

Naturgemäß entspannter sah Vogtareuths Bürgermeister Rudolf Leitmannstetter die Situation, auch wenn er Risiken für die ebenfalls neue Trinkwassergewinnung seiner Gemeinde nicht ausschließen wollte. Von der Streckenplanung sei das Gemeindegebiet Vogtareuth aber nicht direkt betroffen.

Offenes und faires Planungsverfahren

Landtagsabgeordneter Klaus Stöttner stellte ein offenes und faires Planungsverfahren unter Einbeziehung der Gemeinden und deren Bürger in Aussicht. Derzeit ruhten die Planungen. Es bleibe abzuwarten, welche neuen Gesichtspunkte sich nach dem Besuch von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt ergeben. Tessa Pöller von der Schutzgemeinschaft Hofstätter-/Rinsersee äußerte massive Bedenken hinsichtlich der Gefährdung des Grundwasservorkommens.

In der Diskussion wurde das Interesse an der Gründung einer Pruttinger Bürgerinitiative deutlich. Dazu soll demnächst eingeladen werden. re

Quelle: https://www.ovb-online.de/rosenheim/rosenheim-land/buerger-zeigen-grosses-interesse-7423892.html