Über 100 Bürger waren zum Dorfwirt Vornberger in Neubeuern gekommen, um bei der Gründung des neuen Vereins „Bürgerforum Inntal“ dabei zu sein. Ihr Ziel: Sich gemeinsam stark zu machen und die Interessen der Gemeinde und der Bürger gegenüber den Planungen der Bahn zur Trassenführung durchs Inntal durchzusetzen.

Neubeuern – Nachdem schließlich ein Konsens bei Satzung und Zielsetzung sowie deren Formulierung gefunden worden war, wurde die neue Vorstandschaft gewählt. Die Vorstandswahl wurde von Gemeinderat Konrad Stuffer geleitet. Als Vorsitzender wurde der Zweite Bürgermeister der Marktgemeinde Neubeuern, Martin Schmid, gewählt. Zum Stellvertreter wurde Peter Margraf aus Raubling bestimmt, zum Schatzmeister Wolfgang Scherer und zum Schriftführer Martin Fritz. Als Beisitzer wurden gewählt Dr. Michael Gierlinger, Dieter Dimmling, Uli Schreiber, Klaus Spatzier, Alois Holzmair und Hubert Lingweiler per Akklamation. Zu Kassenprüfern wurden Brunhilde Rothdauscher aus Raubling und Erich Rasinger ernannt.

Foto: © OVB

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Die Vorstandschaft, die sich über 87 unterschriebene Mitgliedsanträge freute, gab auch gleich „Hausaufgaben auf“: Es wurden Postkarten verteilt, die mit Fragen an Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt versehen und nach Berlin geschickt werden sollen. Gleichzeitig werde sich die neue Vorstandschaft mit all den anderen Vereinen und Initiativen in der Region kurzschließen und eventuell einen Dachverband gründen. Ziel: „Mit einer entsprechenden Stärke werden wir von der Bahn und der Politik besser gehört. Denn wir haben alle das gleiche Anliegen: Eine bedarfsgerechte und zukunftsfähige Verkehrsentwicklung, die nicht auf Kosten der Menschen im Inntal und der Natur gehen darf“, so der neue Vorsitzende Martin Schmid. Zugleich wolle man sich auch nicht gegenseitig ausspielen lassen. „Darauf lege ich wert“, betonte Schmid.

Auch Bürgermeister Hans Nowak, der in seinem Grußwort betonte, dass er den neuen Verein – dieser ist aus dem Bürgerforum Neubeuern hervorgegangen – unterstütze, warnte vor einer Kirchturmpolitik, die nicht über den Tellerrand der Gemeinde hinausschaue. Er sei überzeugt, dass es eine für alle Inntalgemeinden akzeptable Lösung des Problems gebe. Politik und Bahn dürften nicht unter Hinweis auf zu hohe Kosten die Untertunnelung des Inntals entlang oder unter der Autobahn verhindern wollen.

Längere Diskussionen hatte es vor der Gründung um Satzung und Zielsetzung des Vereins gegeben. Während die einen das konkrete Ziel, nämlich „keine weitere Trasse und – falls diese nicht zu verhindern sei – die Untertunnelung der Strecke“ in der Satzung wiederfinden wollten, warnten andere davor, dass dann eventuell von der Zulassungsbehörde die Gemeinnützigkeit des neuen Vereins auf der Kippe stehe. Sie plädierten für „allgemeine Ziele wie den Schutz der Umwelt für die Bürger“. Schließlich votierten die Bürger mit zwei Gegenstimmen dafür, dass in der Satzung in erster Linie die Ablehnung der geplanten Zulaufstrecken stehen und erst in zweiter Linie die Verhinderung oberirdischer Gleise stehen sollte.

Konkret hat sich das „Bürgerforum Inntal“ e.V. zum Ziel gesetzt, eine bedarfsgerechte Verkehrsentwicklung mit Verlagerung des Verkehrs auf die Schienen zum Erhalt des Lebensraumes Inntal zu unterstützen, ebenso den Ausbau vorhandener Verkehrswege mit neuester Technologie, um Lärm und Umweltbelastungen für die Bürger bei der vorhandenen Infrastruktur zu minimieren.

Bedarfsgerechte Netze gefordert

Das Bürgerforum setzt zudem auf einen konstruktiven Dialog zwischen Bürgern, Politik und Wirtschaft und lehnt nicht bedarfsgerechte neue Schienennetze ab. Es stellt zudem die Forderung auf, dass die Planungen auf Naturschutz und Landwirtschaft Rücksicht nehmen müsse. Eine Zerstörung der Landschaft durch den Brennernordzulauf sei inakzeptabel. Zudem müsse der Bedarf seriös nachgewiesen werden. Es dürfe keinen Flächenverbrauch unberührter Landschaften, keine zusätzlichen Lärmbelastungen und keine Verlagerung von innerösterreichischem Bahnverkehr in das Inntal geben.

Auch der Planungsprozess müsse geändert werden. Schmid: „Wir dürfen nicht warten, bis die Bahn plant, sondern müssen möglichst früh aktiv werden.“ Er hoffe auf weitere neue Mitglieder, um den Verein zu stärken. Dieser Geist solle durch das ganze Inntal gehen.