BERNAU UND FRASDORF SCHALTEN SICH IN DISKUSSION UM DEN BRENNERNORDZULAUF EIN

@ OVB

Auch in Frasdorf und Bernau sorgen die Korridorpläne zum Brennernordzulauf für Aufregung. Per Anwalt haben sich beide Kommunen an Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt gewandt. Vor allem die Angst, dass mehr Güterverkehr über den Osten abgefertigt werden könnte, treibt die Gemeindeverantwortlichen um.

Frasdorf/Bernau – „Jetzt, wo wir es einigermaßen geschafft haben, mit dem Ausbau der A8 zurechtzukommen, kommt so ein Wahnsinnsentwurf der DB Netze auf den Tisch“, sagte Marianne Steindlmüller. „Wir werden unsere Landschaft und Heimat nicht für den österreichischen und den nach Osten führenden Güterverkehr opfern. Gerade noch haben wir uns bei der Planung zum Ausbau der A8 kooperativ gezeigt. Den dadurch entstehenden Mehrwert lassen wir uns nicht mit solch vernichtenden Entwürfen zunichte machen. Wir werden kämpfen und stichhaltige Argumente gegen diese Korridorbereiche sammeln, denn die größte Chance ist sofort etwas dagegen zu unternehmen.“

Der Brennernordzulauf mit seinen verschiedenen Korridorbereichen ist derzeit der große Aufreger in den Gemeinderäten im Landkreis. Der Frasdorfer Gemeinderat befasste sich in seiner letzten Sitzung mit einem Schreiben, das Rechtsanwalt Dr. Wolfgang Leitner von der Kanzlei Labbé & Partner im Auftrag der beiden Gemeinden von Frasdorf und Bernau an den Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt übersandte.

15 Fragen stellt Leitner in diesem Schreiben an den Minister und die Ministerialbürokratie, die sach- und fachgerechte Beantwortung dieses umfangreichen Fragenkatalogs dürfte wohl den verbleibenden Rest der Legislaturperiode in Anspruch nehmen.

Bürgermeisterin Marianne Steindlmüller und Bürgermeister Philipp Bernhofer hoffen, dass Minister Dobrindt bei seinem Besuch am 6. März bereits einige Aussagen zu diesem Thema und zu den vorgelegten Fragen zum Korridorbereich Ost machen wird.

Die Ausgangslage dürfte ihm vertraut sein, bei seinem letzten Besuch in Frasdorf vor zwei Jahren ging es um den Ausbau der A8, heute geht es um ein weiteres Großprojekt aus einer anderen Abteilung seines Hauses aus dem Bereich Eisenbahn. Letztlich ist die Bundesrepublik Deutschland Planungsträger für beide Vorhaben und trägt damit die Verantwortung für die betroffenen Bürger und Gemeinden.

„Für Bernau würde die Verwirklichung dieses Korridors eine Zerschneidung des Gemeindegebiets, eine Einschränkung der Ortsentwicklung, eine Gefährdung als Tourismusort und vor allem eine wesentlich höhere Lärmbelastung der Einwohner durch ein Ansteigen der Zugfrequenz bedeuten“, sagt Bürgermeister Philipp Bernhofer. „Bernau wird zum Eisenbahnknotenpunkt. Bedenkt man, dass schon der Ausbau der A8 große Belastungen bringen wird, stellt sich die Frage, was sich die Planer hier eigentlich denken! Diese Planung muss zurückgenommen werden.“

Rechtsanwalt Leitner verweist darauf, dass die Einführung und Einplanung eines Ostkorridors brandneu sind; noch in den österreichischen Unterlagen vom Mai 2016 habe es keinen Hinweis da rauf gegeben, dass eine Verbindung zwischen dem Brennerbasistunnel und dem Inntal im Westen mit der Hauptstrecke von München nach Wien im Osten quer durch das Gemeindegebiet von Rohrdorf, Frasdorf und Bern au angedacht sei. Diese Gemeinden wurden erst Mitte 2016 in den bereits laufenden Planungsprozess mit einbezogen.

Studie aus dem Jahr 2014 herangezogen

„Es stellt sich die Frage, ob dieser Ostkorridor überhaupt notwendig ist?“ Nach einer vorliegenden Studie des Städtebunds Inn-Salzach von 2014 könnte die derzeit vorhandene Infrastruktur den Mehrverkehr aufnehmen, wenn die Strecke München- Mühldorf-Freilassing optimal ausgebaut wäre. Es ist nicht klar, ob der Ostkorridor nach seinem Anschluss an die Hauptstrecke München – Wien wie bisher vorgesehen im Raum Bernau endet, oder ob diese Strecke durch den entstehenden Mehrverkehr überlastet würde.

Dann könnte die Situation entstehen, dass der Planungsraum nach Osten erweitert werden müsste und weitere Chiemgauer Gemeinden entlang der bestehenden Eisenbahntrasse im Osten in weitere Planungen miteinbezogen werden müssten. Eine solche Salamitaktik könne unmöglich im Interesse der Betroffenen sein.

Die weitere Entwicklung von Frasdorf und Bernau wäre vor allem durch eine vollkommen oder teilweise oberirdische Trassenführung stark eingeschränkt. Egal ob die Eisenbahntrasse im Süden verläuft oder im Raum der Autobahn im Norden, eine Ausdehnung der Orte ist in diese Richtung dann nicht mehr möglich. Die Gemeinde wird zerschnitten. Zwölf Landwirte sind alleine in Frasdorf durch den Ausbau der Autobahn A 8 jetzt bereits in ihrer Existenz gefährdet, bei einer oberirdischen Trassenführung der Eisenbahn wären sie erneut und zusätzlich betroffen, weitere Landwirte entlang der Strecke kämen im Falle eines Neubaues hinzu.

Eine vollständig oberirdische Trasse würde, bedingt durch die topografischen Verhältnisse zwischen dem Inntal und dem Chiemseebecken, zu einer Berg- und Talbahn führen. Im Falle einer unterirdischen Trassenführung müsste der Samerberg untertunnelt werden.

Der geologische Aufbau des Nordalpenrandes von Nußdorf bis Bernau ist weitgehend bekannt, unter dem Samerberg liegt der Samerberger See, ein großes Trinkwasservorkommen in der Region; der Bau einer unterirdischen Eisenbahnstrecke wird durch die Geologie also nicht begünstigt. Vollkommen unklar ist, wie die Problematik der Entlüftung des Tunnelbauwerks und der Rettungsschächte bei einer Unterfahrung des Samerberges gelöst werden könnte.

Schließlich möchten die beiden Gemeinden noch wissen, wie weit dieses neue Mammutprojekt mit der Autobahndirektion Südbayern im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Ausbau der A 8 abgesprochen wurde. Eine Verzögerung des Ausbaus der A 8 sei in der Region in der jetzigen Situation nicht mehr gewollt, könne aber durch eine fehlende Abstimmung zwischen den Planungsbehörden durchaus entstehen. Es sei schwer vorstellbar, dass zwei so große unmittelbar nebeneinander liegende Projekte ohne Abstimmung geplant würden.

Autobahndirektion soll gehört werden

Es wäre interessant, die Meinung der Autobahndirektion zu diesem Thema und der Planung der Korridore zu hören. Abschließend bittet Rechtsanwalt Leitner um Auskunft über die künftige Anzahl der Zugtrassen, über eine Verteilung der Züge, die aus dem Brennerbasistunnel kommen in die einzelnen Korridore, über die Auslastung der bestehenden Strecken und verlässliche Prognosen.

„Sieht sich das Bundesministerium für Verkehr an die Aussage des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer gebunden, dass gegen den Willen der Inntal-Bürgermeister keine neuen Trassen für den Güterfernverkehr im Inntal errichtet werden und gilt das auch für die Gemeinden im Chiemgau?“, schließt das Schreiben ab, das im Ministerium im fernen Berlin einigen Beamten sehr viel Arbeit bescheren wird.

Quelle: https://www.ovb-online.de/rosenheim/ro-ch-gem/werden-unsere-heimat-nicht-opfern-7371713.html