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Knapp 100 Riederinger kamen zur Gründungsveranstaltung einer Bürgerinitiative (BI) gegen den Brennernordzulauf quer durch Riederinger Gemeindegebiet. Nach der Diskussion samt Ideensammlung, wie man als BI „Brenna tuats“ noch mehr erreichen könne, trat Landtagsabgeordneter Klaus Stöttner ans Rednerpult und stand Rede und Antwort.

Riedering – Der Dialog und eine sachliche Diskussion seien wichtig, wurde immer wieder betont. Fast bei allen Fragen ging es um den Nutzen einer dritten und vierten Trasse und ob es tatsächlich einen so hohen Bedarf – die DB spricht hier von 400 Zügen pro Tag – gebe. Eine Abkürzung über den Samerberg für die Strecke Innsbruck-Salzburg wurde abgelehnt.

Beifall fand auch der Vorschlag, die bestehenden Trassen zu untertunneln. Die drohende sinkende Lebensqualität und die Zerstörung der Landschaft, die Wertverluste an Immobilien und Grund nannten viele Riederinger als Grund für ihr Eintreten in die BI. Der Ortsteil Niedermoosen wäre durch die Trasse von Riedering abgetrennt und was das bedeutet, mussten die Riederinger schon vergangenen Sommer erfahren, als wegen des Brückenbaus über den Röthbach die Straße von Niedermoosen nach Riedering für vier Monate komplett gesperrt war.

Den Vorschlag, eine Demonstration anlässlich des Besuchs des Bundesverkehrsministers Dobrindt beim Bürgermeistertreffen am 6. März in Rosenheim zu organisieren, beschied Brigitte Englhart abschlägig. Hier prüfe der Hauptverein Brennerdialog noch die juristischen „Feinheiten“. Beifall fand die Idee, Plakate entlang der betroffenen Strassen aufzustellen, auf denen die Baustellen, die Bahnlinien und Bahntunnel inmitten der Landschaft dargestellt werden sollten.

Die beiden gewählten BI-Vorsitzenden, Brigitte Engl hart aus Ried und Andrea Lattner aus Niedermoosen, baten die Anwesenden, noch mehr Unterschriften zu sammeln und Mitglieder zu werben. „Je mehr wir sind, desto mehr werden wir gehört“. Die Unterschriften sollen am 6. März beim Bürgermeister-Treffen an Bundesverkehrsminister Dobrindt überreicht werden.

Klaus Stöttner, Landtagsabgeordneter, fasste noch einmal die politische Sicht der Lage zusammen. Wie er selbst zugab, habe sich der Dialog zwischen Bahn, Land und Gemeinden bislang nur auf das Inntal beschränkt. Die Bürgermeister auf der Inn-Ostseite seien erst im vergangenen Herbst von einer Trassenführung durch „ihr“ Gebiet informiert worden, und dies noch mit der Auflage, „nichts nach außen zu tragen“.

Andere Bedarfszahlen in Österreich

In Österreich sei der Dialog anders, besser verlaufen. Beantworten konnte Stöttner nicht die Frage, woher die Bahn Bedarfszahlen von bis zu 400 Zügen am Tag nehme, andere Berechnungen sähen da doch „nur“ einen Bedarf bis zu 270 Zügen. Stöttner verwies auf Prognosen aus Österreich.

Auf die Nachfrage, ob es denn der Bayerischen Staatsregierung bewusst sei, dass die Brennertrasse das „Natura 2000“ Naturschutzgebiet, das an Riedering grenze, dann auch faktisch begrenze, ging Stöttner nicht ein. Einig hingegen war man sich, dass der östliche Landkreis in den Dialog miteingebunden werden müsse. Stöttner sagte: „Ich stehe auf eurer Seite“.

Vorwurf an den Landrat

Der Vorwurf, dass man durch Landrat Wolfgang Berthaler übergangen worden sei, wollte Stöttner nicht gelten lassen. Die Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig könne „sehr unangenehm werden, wenn es um das Wohl des Landkreises geht“. Sie habe nun zusammen mit dem Landrat zum Bürgermeistertreffen am 6. März eingeladen.

Und schließlich käme zu der politischen Veranstaltung ja auch der Bundesverkehrsminister. Bürgermeister Häusler musste da widersprechen, die Bürgermeister hätten auf das Treffen gedrängt. Klaus Stöttner bedankte sich für die ehrlichen Worte und versicherte den Zuhörern abschließend: „Wir wollen nur das Beste für unsere Region.“

Quelle: https://www.ovb-online.de/rosenheim/rosenheim-land/wollen-beste-unsere-region-7368308.html