Vorstellung der Grobtrassen-Entwürfe für den Brenner-Nordzulauf

Landkreis – Am Montag wurden die ersten Grobtrassen-Entwürfe für den Brenner-Nordzulauf vorgestellt. Nun äußerten sich Verkehrsministerin Ilse Aigner und CSU-Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig dazu.

Wirtschaftsministerin Ilse Aigner. © Matthias Balk/dpa

Wirtschaftsministerin Ilse Aigner. © Matthias Balk/dpa

„Wir wissen jetzt zumindest, worüber wir diskutieren können“, kommentierte Bayerns Verkehrsministerin Ilse Aigner, die sich selbst vor Ort informiert hat. Gleichzeitig wies sie darauf hin, dass es sich hier um eine frühe Phase im Planungsprozess handle und keineswegs um eine Vorfestlegung auf eine konkrete Trasse. „Wenn der Ausbau kommt, muss der Schutz der Anwohner sehr hohe Priorität haben. Die betroffenen Regionen in Bayern müssen denselben Lärmschutzstandard erhalten wie die Menschen im Nachbarland Tirol“, äußerte sie ihre Erwartungshaltung gegenüber dem Bund und der Deutschen Bahn.

Die Umsetzung liege in der Zuständigkeit von Bund und DB. „Hier geht es nicht nur um die Frage des ‚ob‘, sondern auch um das ‚wie‘. Der Freistaat sieht nicht nur den Nutzen der Maßnahme, sondern auch die Notwendigkeit, dass sie im Einklang mit den betroffenen Regionen, den Menschen und der Natur realisiert wird“, betonte Aigner. Anhand von mit der Region festgelegten Bewertungskriterien soll jetzt der Verlauf der endgültigen Trasse gemeinsam erarbeitet werden. „Ich lege größten Wert darauf, dass wir die Menschen der betroffenen Regionen in den Diskussions- und Entscheidungsprozess einbinden“, so Aigner.

Ludwig: Planungsdialog noch nicht zur Zufriedenheit aller Beteiligten

Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig. (CSU) © Abgeordnetenbüro Daniela Ludwig

Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig. (CSU) © Abgeordnetenbüro Daniela Ludwig

„Ich weise darauf hin, dass der Planungsdialog bisher nicht in allen Gemeindeforen zur Zufriedenheit aller Beteiligten ausgefallen ist, insbesondere weil Fragen offen geblieben sind, die die Bahn als Projektträgerin hätte beantworten müssen“, betonte CSU-Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig, „Diese Hausaufgaben müssen nach wie vor gemacht werden.“ Die vorgelegten Grobtrassen der Bahn würde in der Region nun ohne Zeitdruck diskutiert und dabei auch alternative Vorschläge mit einbezogen. „Der Tunnelanteil der vorgelegten Entwürfe ist viel zu gering“, erklärtre Ludwig, „Sollten zusätzliche Gleise notwendig werden, kann die Region nur Lösungen akzeptieren, die weitestgehend in Tunneln oder Wannen verlaufen. Dies schulden wir sowohl den Bürgerinnen und Bürgern als auch der unvergleichlichen Landschaft der oberbayerischen Voralpenregion.“
Oberste Priorität habe bereits heute das von der Bahn längst zugesagte und vom Bund finanzierte Lärmschutzprogramm für die Bestandstrasse.

Söder: „Nehmen Thema ernst“

„Wir nehmen das Thema Brenner-Nordzulauf beziehungsweise Brenner-Basistunnel sehr ernst“, betonte Ministerpräsident Markus Söder, der am Donnerstag der vergangenen Woche im Rahmen einer Bürgersprechstunde zu Gast war in Rosenheim. Er betonte, dass die Staatsregierung auch beim Thema Trassenvorschläge aufmerksam dabei sein werde. „Das wichtigste für uns ist maximaler Lärm- und Sichtschutz für die Anwohner“, erklärte Söder, „Wir wollen insgesamt dabei die bestmögliche Situation für die Region erreichen!“

Das sind die ersten Grobtrassenentwürfe zum Brenner-Nordzulauf © DB Netz AG

Das sind die ersten Grobtrassenentwürfe zum Brenner-Nordzulauf © DB Netz AG

Am Montag präsentierten die Deutsche Bahn (DB) und die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) mehrere Varianten für den Bau der neuen zweigleisigen Strecke, welche die Kapazitäten zum sich derzeit im Bau befindlichen Brennerbasistunnel erhöhen sollen. Die künftigen Trassen könnten bei Stephanskirchen, östlich von Rosenheim oder im Westen bei Kolbermoor verlaufen. Es gibt auch Vorschläge für Varianten südlich am Inn für östliche und westliche Varianten. Allerdings wird das Inntal kurz vor der österreichischen Grenze dann so eng, dass die meisten Varianten, zumindest auf einem Teilstück, nahe der bestehenden Bahnstrecke an der Autobahn führen. Manche Abschnitte könnten auch in Tunneln oder bei Siedlungen verlaufen. Bahn und ÖBB wollen bis Anfang 2020, im Dialog mit den Gemeindeforen, eine Auswahl treffen und sich auf eine Trasse festlegen. Die Bahn betont, es solle eine Trasse gefunden werden, die „am besten den Bedürfnissen von Mensch, Umwelt und auch den Erfordernissen eines modernen Bahnbetriebes entspricht“. Bahn und ÖBB betonen, dass mit den Grobtrassenentwürfen noch nichts festgeschrieben sei.

© DB Netz AG

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Es gibt massive Kritik an dem Projekt durch Bürgerinitiativen, die von einem Milliardengrab sprechen. Sie kritisieren, dass die Kapazitäten der bestehenden Strecke noch nicht ausgeschöpft seien und auch noch reichen würden, wenn der Brennerbasistunnel eröffnet wird. Das Bürgerforum Inntal, das erst Mitte Mai eine Informationsveranstaltung in der Inntalhalle veranstaltete, argumentiert beispielsweise, dass die Entwicklung des Güterverkehrs keinen Anlass zu glauben geben würde, dass je die 400 Züge erreicht werden, von denen die Bahngesellschaften ankündigen, dass sie in Zukunft auf der Strecke jährlich unterwegs sein werden können. Denn es gäbe durch die deutsche Verkehrspolitik bisher noch nicht die notwendigen Voraussetzungen für eine Verlagerung des Straßenverkehrs auf die Schiene. Außerdem wird befürchtet, dass bei der möglichen Verknüpfung von alten und neuen Trassen ein Weichenkonstrukt mit enormen Platzbedarf notwendig sein wird. Denn am Fuß des Wendelsteins ist das Inntal nur etwa 800 Meter breit und es wird ein „Amphitheater-Effekt“ befürchtet, der Einheimischen und dem Tourismus schaden könnte.

von Heinz Seutter
Quelle: rosenheim24.de