Lesen Sie hier unsere Stellungnahme auf die am Montag, 18. Juni 2018 vorgestellten Grobtrassen.

Wir wurden hierzu vom OVB um Beantwortung zwei konkreter Fragen gebeten. Die Veröffentlichung unserer Antworten wurde jedoch aus Platzgründen abgelehnt. Da wir mit einer Kürzung unserers Statements nicht einverstanden waren, erfolgt die Veröffentlichung unverändert an dieser Stelle.

Welche Trassenvariante bevorzugen Sie, wo würden Sie aus Ihrer Sicht  Verbesserungen vorschlagen?

„Alleine die Fragestellung zeigt schon, wie versucht wird, die Vertreter der Bürgerinitiativen in eine bestimmte Ecke zu stellen. Es geht überhaupt nicht um die Frage, welche Trasse besser sei, oder gar, welche Trasse ich persönlich bevorzugen würde. Dieses Projekt bedroht doch nicht nur einzelne Gemeinden im Osten oder Westen, sondern unseren gesamten Landkreis!

Eine Schande ist in meinen Augen die völlig einseitige und tendenziöse Berichterstattung zu diesem Thema in der regionalen Tagespresse. Gebetsmühlenartig werden immer wieder falsche Behauptungen und Versprechungen wiederholt, während engagierte Vertreter von Bürgerinitiativen als Verweigerer und Verhinderer hingestellt werden. Zum Beispiel wird der in den Prognosen unterstellte absurd hohe Bedarf immer wieder als Begründung und Rechtfertigung einer überdimensionierten Planungsgrundlage herangezogen. Tatsächlich stagniert das Verkehrsaufkommen der letzten Jahre aber auf konstantem Niveau. Es wird immer wieder von einer Entlastung der Straße und einer Verlagerung auf die Schiene geschrieben, diese werden wir mangels schlüssigem Verkehrskonzept jedoch nicht erleben. Oder immer wieder liest man von der Forderung der Untertunnelung nach österreichischem Vorbild zum Schutz der Bevölkerung vor Lärm. Das ist Träumerei, Fakt ist: Die Tunnel in Österreich sind einzig den geografischen Anforderungen geschuldet, ein Tunnel als Lärmschutz ist aus Kostengründen gar nicht genehmigungsfähig. Mein Vorschlag wäre der konsequenter Ausbau der Bestandstrasse und dadurch Schutz der Anwohner durch modernste Lärmschutzmaßnahmen, wenn nötig mit Ortsumfahrungen und Einhausungen.“

Welche Kritikpunkte haben Sie grundsätzlich am Projekt BBT-Nordzulauf? Oder sind Sie froh, dass es nun einen Schritt weiter geht?

„Wichtig ist einmal festzuhalten, dass wir bereits eine Bestandstrasse im Inntal haben, die TEN-fähig und somit als Zulaufstrecke zum Brenner-Basistunnel geeignet ist. Diese ist heute bei Weitem noch nicht ausgelastet und kann auch die für die Zukunft realistisch zu erwartenden Verkehrsströme aufnehmen. Unsere Forderung lautet deshalb: Bestand modernisieren, statt Heimat zerstören!

Was mich am meisten beunruhigt, ist die Tatsache, dass die verantwortlichen Politiker wider besserer Argumente stur an dem Vorhaben festhalten und Milliarden unserer Steugelder sinnlos verschwenden, die an anderer Stelle dringend benötigt würden. Die Überlastung des Brenners ist das Ergebnis katastrophaler Fehlentscheidungen und stümperhaften Verkehrspolitik der vergangenen Jahre. Etwa ein Drittel des LKW-Verkehrs im Inntal ist reiner Umwegeverkehr, weil der Brenner der billigste aller Alpenübergänge ist. Dieses Problem lässt sich nicht durch zusätzliche Gleise lösen, sondern einzig durch kluge Entscheidungen und eine vernünftige Verkehrspolitik. Mit der Veröffentlichung der ersten Grobtrassen sind wir nun zwar einen Schritt weiter, aber leider in die verkehrte Richtung.“